Brauchen statt wollen

Alexandra Neuhofer

ICH  WILL   B R A U C H E …

Seit Mitte März 2020 befinden wir uns im Lockdown.

Eine akute Krise dauert erfahrungsgemäß 4 – 6 Wochen.

Wir haben jetzt Mitte Mai, wer jetzt noch geistig, seelisch und moralisch festen Halt hat, ist, wie man im Volksmund gerne formuliert, „gut aufgestellt“, die Modebewussten dürfen diesen Zustand als resilient bezeichnen.

Alexandra Neuhofer

Aber was ist mit jenen, die sich trotz oder gerade wegen der acht Wochen spärlicher sozialer Kontakte, weniger oder keiner beruflicher Tätigkeit nicht so recht hinaussehen?

Es bröckelt der Boden unter Ihren Füßen, Sie finden keinen Schutz und Halt mehr!

Sie haben eine Beziehung, einen Arbeitsplatz oder gar einen Menschen verloren, zusätzlich zur belastenden Pandemie-Situation sind Sie tief erschüttert und traurig!

Plötzlich stellen Sie fest, dass Sie mit sich selbst wenig anzufangen wissen, kommen drauf, dass Ihr bisheriges Leben auf Werten basierte, die eigentlich nur auf Äußerlichkeiten ausgerichtet waren, und jetzt gilt das alles nicht mehr, weil Sie das Auto zurückgeben und den Urlaub stornieren müssen? Welche Werte gelten jetzt überhaupt noch?

Und welchen Sinn hat Ihr Leben momentan? Eine Familie wollten Sie gründen, doch der Job ist weg, Sie kommen alleine kaum über die Runden, und der Partner stellt sich nach acht Wochen auf kleinstem Raum nicht als derjenige heraus, mit dem Sie alt werden wollten!

Stellen Sie sich eine Frage, und das mit Bedacht; und gehen Sie weg vom herkömmlichen „Was will ich?“.

Probieren Sie es einmal mit „Was BRAUCHE ich?“!

Sie werden, wenn Sie nach einiger Zeit eine Antwort für sich gefunden haben, feststellen, dass Ihr Ergebnis ein anderes ist als die Antwort darauf, was Sie sich wünschen oder wollen.

Vor einigen Jahren befand ich mich in einer Umbruchphase, so weitermachen ging nicht, ich hatte aber nicht einmal eine Idee zu einem neuen Weg.

Es war Ende Oktober, es regnete leicht, ich schaute durchs Fenster in den regenverhangenen Garten, wo noch das fast ausgelassene Planschbecken mehr lag als stand.

Wahrgenommen habe ich das wunderschöne Resedagrün des algen- und tannennadelangereicherten restlichen Wassers im Becken.

Und so gedankenverloren fiel mir ein, was ich brauchte: Ich hatte das Bild vor mir, wie ich als Kind keine Regenlacke ausgelassen habe und mit Begeisterung darin herumgesprungen bin, es war mir völlig egal, dass ich schmutzig und nass war, allein dieses Gefühl von Freiheit war es, das ich dringend brauchte.

Ich ging in T-Shirt, Shorts und barfuß in den matschigen Garten, stieg in das knöcheltiefe Wasser, zuerst vorsichtig, dann schon mutiger, und zuletzt hüpfte ich wie ein kleines Kind im schlammigen Wasser – und es war wunderbar und befreiend!

Nach diesem Schlammbad – und einer Dusche – hatte ich mich „freigespielt“, mir meine Ressourcen zunutze gemacht und schlussendlich auch einen klaren Kopf, um die weiteren Schritte für mein Leben anzudenken.

Und wieso? – Weil ich darauf GEHÖRT habe, was ich in diesem Moment GEBRAUCHT habe!

Sie werden vielleicht feststellen, dass das, was Sie wirklich brauchen, gar nicht so viel und möglicherweise leichter zu realisieren ist als das Gewollte.

Deshalb wird der Weg dorthin auch ein anderer sein als der „gedachte“, und häufig ist dieser auch weniger steinig.

ACHTEN SIE GUT AUF SICH!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.