HALT

Alexandra Neuhofer
Um sicher und fest stehen zu können, erfordert es Halt.
Den finden wir auf einem festen Boden, auf dem auch etwas wachsen kann
genauso wie in der Familie, anderen sozialen oder strukturierten Verbindungen,
im Glauben und in uns selbst.


Dies sollte unsere Grundhaltung zu unserem Dasein sein, nämlich zu den
Gegebenheiten unseres Lebens zu stehen und diese aus- und zu erhalten.
Was hält uns?
Ist es uns möglich, den psychischen und wirtschaftlichen Druck auszuhalten,
oder rütteln Angst und Ohnmacht an unserem Fundament?
Haben wir das Glück, in unserem sozialen Umfeld genug Sicherheit zu finden,
um dort auch Schutz vor einem gewaltigen Sturm zu finden?
Schauen wir einmal in uns hinein. Sind wir in der Lage, auf uns selbst zu
vertrauen?
Haben wir schon einmal ähnliche Situationen erlebt, wo das ganze Rundherum
am Bröckeln war, und dennoch haben wir diese Krise überstanden und sind
vielleicht gestärkt – oder zumindest um eine Erfahrung reicher – daraus
hervorgegangen?
Schaffen wir es, auch unserem Umfeld, unseren Lieben Schutz, Halt und
Geborgenheit zu geben und wenn – wie machen wir das?
Halt geben heißt, jemandem Raum zu gewähren, da zu sein, als Zuflucht zu
fungieren, beizustehen, Schmerz mitzufühlen, die Hand zu reichen und zum
Durchschnaufen einzuladen – und das alles auszuhalten.
Das ist halt einmal so!
Die Lemminge stürzen sich in Scharen über die Klippen ins Meer. Keiner von
ihnen denkt über das Wofür nach.
„Wofür“ richtet unseren Blick in die Zukunft, und dafür muss man bereit sein;
etwas wagen, etwas riskieren, einschätzen, planen und sich selbst etwas
zutrauen. Dieses Zutrauen in uns können wir nur haben, wenn wir uns
anhalten können, an uns selber und unserem Umfeld.
Dann können wir auch jenen Menschen Schutz und Halt in herausfordernden
Lebenslagen bieten, die diese nicht ohne Hilfe oder Verletzungen überstehen
könnten.
Wenn wir selbst genug Sicherheit haben, können wir Schutz und Halt auch mit
unseren Mitmenschen teilen.
ACHTEN SIE GUT AUF SICH!

SIND SIE EIN BANDWURM?

Alexandra Neuhofer


„So ist es unseren Bandwürmern gegangen. Deren Vorfahren waren einmal recht bewegliche Würmer. Sie besaßen ein Nervensystem, das die Kontraktionen ihrer vielen Muskelzellen so koordinierte, dass sich der ganze Wurm fortbewegen konnte. Er war in der Lage, die von den Sinneseingängen eintreffenden Signale so zu verbreiten, dass der Wurm zielsicher dorthin kriechen konnte, wo keine Gefahr drohte, wo es etwas zu fressen gab und wo gegebenenfalls sogar ein begattungsbereiter Partner zu finden war. Einigen dieser Würmer ist es später, als noch viel größere und kompliziertere Tiere entstanden, mithilfe ihres primitiven Hirns gelungen, einen besonders angenehmen Lebensraum zu finden: den Darm. Dort gab es Nahrung im Überfluss, und dort drohte, solange der Wirt lebte, keinerlei Gefahr. Sie verloren allmählich ihre Beweglichkeit. Außen an ihrem Kopf entwickelte sich ein Hakenkranz, mit dem sie sich festhalten konnten, und drinnen verschwand all das, was in diesem Wurm-Schlaraffenland nicht mehr gebraucht wurde. Ohne es überhaupt zu bemerken, hatten sie nicht nur ihr ohnehin nicht sehr großes Gehirn verloren, sondern bald auch die Fähigkeit, überhaupt noch eines herauszubilden.“ (Gerald Hüther, Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn, 2007, Seite 33)
Der chinesische Begriff für Krise setzt sich aus zwei Schriftzeichen zusammen, eins steht für „Gefahr’“, das andere für „Chance“. Wenn Sie möchten, dürfen Sie die derzeitige Lage selbstbewusst auch als Herausforderung betrachten und Ihre Energien auf mögliche Veränderungen in und um sich nützen.
Vielleicht stellen Sie ja fest, dass Ihr Lebensentwurf nicht mehr Ihren Vorstellungen, Werten oder der Gesamtsituation entspricht?
Dann wäre es an der Zeit, Ihr Urvertrauen zum Zug kommen zu lassen, Ihren Optimismus abzustauben, Ihre Ressourcen neu zu bewerten und Ihre Entscheidungsfähigkeit zu überprüfen.
Wieso Sie das tun sollen? – Weil Ihnen das Stabilität gibt! Und mit dieser Grundhaltung können Sie Altes renovieren, Neues Erschaffen oder – oft auch sehr hilfreich – reinen Tisch machen!
Kleine Schritte haben manchmal große Wirkung.
Es ist Ihre eigene Entscheidung, ob Sie zum Bandwurm mutieren. Und Möglichkeiten, über den Horizont eines Wurms hinauszusehen, stehen Ihnen – immer noch und wieder – offen.
ACHTEN SIE GUT AUF SICH!