Gedanken

Lange Nacht der Philosophie Leipzig

Unser Kollege Dr. Jirko Krauß veranstaltet am Freitag veranstalte die kostenfreie und digital zugängliche Lange Nacht der Philosophie Leipzig. Noch gibt es freie Plätze.


https://www.transformatorenwerk-leipzig.de/events/lange-nacht.html

Die Beschäftigung mit der Philosophie kann gerade in diesen Tagen helfen, die wesentlichen Fragen wieder in den Blickpunkt zu rücken und auch gut zu beantworten.

Stressbewältigung über den Körper

Angela Meierschitz

Stress ist eine körperliche Reaktion. Unser Gehirn nimmt beängstigende Reize wahr und die Aktivierung unserer körperlichen Kräfte wird vom autonomen Nervensystem blitzschnell gestartet. Ein genialer Vorgang – für kurze Zeit – um zu überleben!

Begeben wir uns auf eine Zeitreise:

Wir gehen viele tausend Jahre vor unserer Zeitrechnung zurück. Menschen leben in kleinen Gruppen zusammen und die Ausrichtung ihres gesamten Tuns gilt einzig und allein dem Überleben. Jetzt stellen Sie sich vor Sie leben in dieser Zeit. Sie sind gerade unterwegs um zu jagen oder etwas Essbares zu sammeln oder um von einer Quelle Wasser zu holen.

Angela Meierschitz

Plötzlich hören Sie ein Geräusch. Etwas raschelt in ihrer nächsten Umgebung. Dieses Geräusch bewirkt, dass sich ihre Sinne bis aufs Äußerste anspannen. Sie spüren die Gefahr, nehmen Gerüche verstärkt war, hören jetzt auch ein Schnaufen, spüren ein Prickeln im Nacken.

Ausgelöst von diesen Sinnes-Wahrnehmungen startet unser autonomes Nervensystem das Überlebensprogramm:

  • Das Herz schlägt schneller und stärker. Der Blutdruck steigt und die Blutgefäße verengen sich. Dadurch werden die Muskeln besser durchblutet und spannen sich stärker an. Unsere Muskelkraft wird erhöht.
  • Die Verdauung und das Immunsystem werden heruntergefahren. Angesichts der Ungewissheit, ob wir die nächste Minute überhaupt überleben, ist es ziemlich egal ob unsere Verdauung und unsere Abwehrkräfte gut funktionieren.
  • Cortisol wird rasch ins Blut ausgeschüttet und wirkt entzündungshemmend, um uns zu schützen falls wir Verletzungen erleiden.
  • Adrenalin macht uns wach und schnell. Es setzt die Energiereserven frei und bereitet uns auf Kampf oder Flucht vor.
  • Die Bronchien weiten sich, um mehr Sauerstoff aufzunehmen. Dadurch wir die Atmung schnell und flach.
  • Wir sind völlig fokussiert. Die Leistungsfähigkeit unseres Gehirns erhöht sich. Keine Gedanken darüber was uns gestern vielleicht gestört hat oder was wir heute Abend tun wollen.
  • Innerhalb von wenigen Augenblicken hat der Organismus unsere Kräfte maximiert.
  • Wir sind bereit um unser Leben zu kämpfen, so schnell wie möglich zu fliehen, uns zu verstecken, auf Bäume zu klettern, uns zu tarnen, …

Die Gefahr ist vorüber. Aufgrund der vollen Aktivierung der körperlichen Kräfte haben Sie es geschafft, Sie haben überlebt und sind wieder in Sicherheit! Die Körperfunktionen stellen auf „Regeneration“ um. Unser Herzschlag verlangsamt sich, der Blutdruck sinkt, die Cortisol- und Adrenalin Produktion normalisiert sich. Unsere Muskeln beginnen sich zu entspannen. Vielleicht zittern die Knie nach der überstandenen Anstrengung oder wir sind müde und rasten uns kurz aus. Wir seufzen einige Male und atmen lange und tief aus.

So wie damals reagiert unser Körper auch heute auf beängstigende, herausfordernde, verwirrende, unsichere Ereignisse. Vollautomatisch und ohne unser bewusstes Zutun, werden die Körperfunktionen maximiert.

Heute gibt es zwar keine wilden Tiere im Gebüsch, die uns überfallen und fressen wollen, trotzdem befinden sich viele Menschen im Dauerstress, denn es „raschelt“ scheinbar ständig um uns herum. Im Beruf, in der Freizeit, mit Freunden und in der Familie.

  • Viele Termine, die nur mit Druck einzuhalten sind.
  • Eine endlose To-Do-Liste, die trotz Müdigkeit abgearbeitet werden soll.
  • Erwartungen und Vorstellungen erfüllen zu müssen, obwohl wir lieber eine Pause machen würden.
  • Besser – schneller – mehr … ist das Motto um bestehen zu können.
  • Unsicherheit und Krisen halten uns in Alarmbereitschaft.
  • Uvm.

Dauerstress bedeutet, dass die Erholungsphasen fehlen. Unser Körper kann sich zwischen den herausfordernden Situationen nicht mehr ausreichend regenerieren und wir bleiben in der Aktivierung stecken. Die Folgen sind deutlich spürbar:

  • schmerzhaften Verspannungen in Nacken/Rücken und Schultern,
  • Verdauungs- und Schlafprobleme,
  • Angstzustände, endlose Gedankenschleifen, Unruhe, Nervosität,
  • verspannungsbedingte Kopfschmerzen,
  • allgemeines Unwohlsein,
  • Unfähigkeit Entscheidungen zu treffen,
  • Erschöpfung, Isolation, Kraft- und Energielosigkeit, Reizbarkeit, Unzufriedenheit, uvm.

Körperwahrnehmung ist der Schlüssel, der dem Nervensystem ermöglicht auf „Regeneration“ umzuschalten. Indem wir die Aufmerksamkeit nach innen richten und erkennen, dass die „beängstigende und anstrengende“ Situation vorüber ist.

Kleine Übung für zwischendurch, beim Warten auf die U-Bahn, in Besprechungen, beim Kochen, Zusammenräumen, Lesen, vor dem Einschlafen, …:

  • Richten Sie für 3 Atemzüge Ihre Aufmerksamkeit auf den Atem.
  • Wo spüren Sie die Atembewegung im Körper?
  • Hebt sich die Brust, der Bauch? Was passiert im Hals?
  • Wie spürt sich das Ausatmen an? Ist kurz, lang, tief, …?
  • Seien Sie neugierig und geben sie nichts vor! Es gibt kein Falsch und Richtig! Sie nehmen gerade Ihren momentanen Atem wahr und der ist wie er ist.
  • Damit schaffen Sie Mini-Regenerationsphasen.
  • Wie fühlen Sie sich jetzt?

HALT

Alexandra Neuhofer
Um sicher und fest stehen zu können, erfordert es Halt.
Den finden wir auf einem festen Boden, auf dem auch etwas wachsen kann
genauso wie in der Familie, anderen sozialen oder strukturierten Verbindungen,
im Glauben und in uns selbst.


Dies sollte unsere Grundhaltung zu unserem Dasein sein, nämlich zu den
Gegebenheiten unseres Lebens zu stehen und diese aus- und zu erhalten.
Was hält uns?
Ist es uns möglich, den psychischen und wirtschaftlichen Druck auszuhalten,
oder rütteln Angst und Ohnmacht an unserem Fundament?
Haben wir das Glück, in unserem sozialen Umfeld genug Sicherheit zu finden,
um dort auch Schutz vor einem gewaltigen Sturm zu finden?
Schauen wir einmal in uns hinein. Sind wir in der Lage, auf uns selbst zu
vertrauen?
Haben wir schon einmal ähnliche Situationen erlebt, wo das ganze Rundherum
am Bröckeln war, und dennoch haben wir diese Krise überstanden und sind
vielleicht gestärkt – oder zumindest um eine Erfahrung reicher – daraus
hervorgegangen?
Schaffen wir es, auch unserem Umfeld, unseren Lieben Schutz, Halt und
Geborgenheit zu geben und wenn – wie machen wir das?
Halt geben heißt, jemandem Raum zu gewähren, da zu sein, als Zuflucht zu
fungieren, beizustehen, Schmerz mitzufühlen, die Hand zu reichen und zum
Durchschnaufen einzuladen – und das alles auszuhalten.
Das ist halt einmal so!
Die Lemminge stürzen sich in Scharen über die Klippen ins Meer. Keiner von
ihnen denkt über das Wofür nach.
„Wofür“ richtet unseren Blick in die Zukunft, und dafür muss man bereit sein;
etwas wagen, etwas riskieren, einschätzen, planen und sich selbst etwas
zutrauen. Dieses Zutrauen in uns können wir nur haben, wenn wir uns
anhalten können, an uns selber und unserem Umfeld.
Dann können wir auch jenen Menschen Schutz und Halt in herausfordernden
Lebenslagen bieten, die diese nicht ohne Hilfe oder Verletzungen überstehen
könnten.
Wenn wir selbst genug Sicherheit haben, können wir Schutz und Halt auch mit
unseren Mitmenschen teilen.
ACHTEN SIE GUT AUF SICH!

DU BIST IMMER SO …

Alexandra Neuhofer

Schon einmal gehört?

Nervt Sie schon, bevor Sie überhaupt wissen, worum es geht?

Hier ein paar Tipps zum Streit und damit Stress Vermeiden!

„DU BIST IMMER SO …“ ist eine Kampfansage. Wenn Sie es darauf anlegen, sich ordentlich zu fetzen und so lange zu streiten, bis einer flüchtet oder sich massiv wehrt, ist dieser Satz – oder ähnliche wie „Nie tust Du …“, Wie immer kannst Du nicht …“ oder auch besonders beliebt „Typisch, wie immer …“ sehr erfolgversprechend.

Wenn Ihnen hingegen daran liegt, Ihren Ärger auszudrücken über etwas, was ein anderer gemacht hat oder eben nicht und dann auch noch das Gewünschte zu erreichen, gibt es ein ganz einfaches Mittel, anzuwenden in vier Schritten:

  • Beobachten – beschreiben Sie nur die Handlung, um die es geht, ohne zu werten oder zu interpretieren
  • Beschreiben Sie Ihr Gefühl, das Sie aufgrund dieser Situation haben
  • Sagen Sie, was Sie brauchen und beschreiben Sie Ihr Bedürfnis
  • Formulieren Sie dieses Bedürfnis in einer Bitte in Bezug auf die konkrete Aktion

Damit klagen Sie Ihr Gegenüber nicht an, sondern geben ihm die Chance, Sie, Ihre Gefühle und Ihr Anliegen nicht nur wahrzunehmen, sondern auch zu verstehen.

Sie drängen auch niemanden in die Ecke, reizen ihn aufs Blut und verlangen eine Rechtfertigung, denn rechtfertigen macht recht fertig.

Ein Praxisbeispiel:

Ich plante eine achttägige Fortbildung und bat einen Freund, sich während meiner Abwesenheit um meine Pflanzen zu kümmern; hilfsbereit sagte er zu. Nach meiner Rückkehr fand ich die Zimmerpflanzen in einem so erbärmlichen Zustand wieder, dass ich den Tränen nahe war. Am liebsten hätte ich diesen Freund durch Sonne, Mond und Sterne geschossen.

Sätze wie „auf Dich kann man sich nicht verlassen …“ und „Du kannst Dich ja nicht einmal um Grünzeug kümmern …“ lagen mir auf der Zunge. Aber was hätte das gebracht? Meinen Zorn hätte es nicht geschmälert, und grundsätzlich ist dieser Freund immer zuverlässig und geschickt.

Ich habe mich also kurz gefangen und ungefähr folgendes formuliert:

  • Meine Pflanzen sind entweder vertrocknet oder ertrunken.
  • Das macht mich traurig und zornig.
  • Ich möchte es daheim schön und gemütlich haben, das gibt mir Halt, weil ich gerne nachhause kommen möchte.
  • Darf ich Dich bitten, dass Du Dir vor meiner nächsten längeren Abwesenheit Zeit nimmst und wir machen gemeinsam einen Plan, welche Pflanze wie zu versorgen ist?

Und da ist alles drin! Mein Schmerz und Ärger über die zum Teil ertrunkenen Pflanzen, und es ist eine Chance für beide Seiten, dass es das nächste Mal besser laufen wird.

Probieren Sie es einmal aus, es funktioniert wirklich!

Wenn nicht, ist einer von Ihnen wirklich nur auf Streiten aus, und es geht nicht um den Inhalt, über den Sie gerade streiten, sondern häufig um etwas ganz anderes.

Viel Erfolg beim Ausprobieren und

ACHTEN SIE GUT AUF SICH!

Gedankenfutter, oder: Was, wenn’s nicht schmeckt?

Mirella Kreder

Mirella Kreder


“Unsere Emotionen beginnen mit unserer Interpretation der Ereignisse.” Dr. Frank
Ghinassi
Über professionelle Therapie lassen sich belastende Verhaltens- und Denkmuster
verändern. Es muss aber nicht immer gleich eine Therapie vonnöten sein, denn wir
können Erkenntnisse aus der kognitiven Forschung auch selbst im Alltag anwenden.
Was sich in der Theorie einfach anhört ist auch in der Praxis gar nicht so schwer.
Getreu dem Motto “Du bist was du isst.” gilt auch der Satz “Du bist was du denkst.”
Mit welchen Gedanken wir unser Hirn füttern und wie wir dieses Gedankenfutter
verdauen liegt – wie die Speisen die wir regelmäßig zu uns nehmen – zu großen
Teilen in unserer Hand.
Bevor wir etwas in den Mund stecken schauen wir es uns in der Regel genauer an,
riechen daran, überlegen – sofern wir es nicht direkt einordnen können – was es
damit auf sich hat. Kann es uns denn überhaupt schmecken? Wollen wir es wirklich
kosten? Ist es möglicherweise giftig? Wir analysieren die Konsistenz, die Farbe, wie
verhält es sich in Kontrast zur restlichen Nahrung die wir bereits zu uns genommen
haben. Schaffen wir dadurch im Körper Balance und Ausgewogenheit, dosieren wir
über oder fördern wir womöglich eine vorhandene Unverträglichkeit?
Selbst kleine Kinder tun das intuitiv. Es liegt in unserer Natur. Sie nehmen oft
ungeeignete oder ungenießbare Dinge in den Mund – und spucken sie wieder aus.
Als Erwachsener glauben wir uns oft an soziale Standards gebunden und schlucken
daher auch so einiges hinunter was uns nicht schmeckt oder von dem wir wissen,
dass es uns eigentlich nicht gut bekommt. So auch Gedanken.
Gedankenfutter: Stellen Sie sich folgendes vor.
Ein Stück “Gedanke” kommt. Sie kennen ihn schon. Es schmeckte bisher gut. Wir
können relativ schnell entscheiden: ja, rein damit. Er schenkt uns (positive) Energie.
Ein weiteres Stückchen Gedanke folgt. Wir kennen ihn, denn wir haben uns daran
mehrfach den Magen verdorben und filtern ihn deshalb in weiser Voraussicht aus.
Leider können wir Gedankenfutter aber nicht immer zu uns nehmen wie am Buffet:
in freier Entscheidung und weiser Voraussicht Stücke (nicht) auf den Teller laden.
Externe Ereignisse gleichen eher einem Mehr-Gänge-Menu oder einem Running
Sushi Laufband. Sie kommen durch von uns weniger kontrollierbare Umstände und

können Gedanken in uns auslösen, die wir nicht immer sofort einordnen können
oder die uns nicht schmecken und bitter aufstoßen.
Doch auch hier haben wir stets die Wahl: nehmen wir das Gericht, das uns serviert
wird an (mit aller Konsequenz) oder lehnen wir es (nach eingehender Analyse) ab.
Oder würde es uns möglicherweise sogar schmecken und wäre es besser
verdaulich, wenn wir z.B. unsere Wahrnehmung des Servierten verändern, es etwas
nachzuwürzen, oder zuvor den Magen durch andere Inhalte stabilisieren?
Denken Sie mal drüber nach. Oder nicht. Das liegt nun ganz in Ihrer Hand.

HOFFNUNG STÄRKT RESILIENZ

Alexandra Neuhofer

Alexandra Neuhofer


Hoffen ist eine durchaus sinnvolle Beschäftigung, denn sie erhält uns die
Verbindung zu etwas, was uns wertvoll ist.
Und Hoffnung ist mehr als nur ein Herbeisehnen, ein inniger Wunsch, da sie
einen realen Bezug zur Welt hat. Wir bleiben unseren inneren Werten treu,
indem wir an ihnen festhalten.


Welche Werte haben wir? Gesundheit, Familie, Leben?
Wo Hoffnung ist, ist auch Chance!
Haben Sie schon einmal etwas inständig gehofft?
Nach einem harten Training ein Ziel zu erreichen, einen tollen Job zu
bekommen, nach einer Verletzung wieder mobil zu werden?
Sie haben auf dieses Ziel hingearbeitet, weil es Ihnen realistisch und sinnvoll
erschien in der Hoffnung, dieses zu erreichen.
Wäre Ihnen das ohne Hoffnung gelungen?
Hoffnung bleibt uns, wenn wir selber nichts mehr tun können, uns die Hände
gebunden sind, doch sie zieht uns nicht in die Vergangenheit, sondern richtet
unsere Aufmerksamkeit in die Zukunft, sie stärkt unsere Haltung für das, was
kommen wird und macht uns offen dafür.
Gerade wenn wir an der derzeitigen Situation nichts aktiv ändern können, hilft
es, die Hoffnung zu bewahren.
Es gibt so viele wissenschaftliche Erkenntnisse die belegen, dass das Hoffen
auf Heilung nach einer schweren Erkrankung den Verlauf der Genesung positiv
beeinflusst, weil die Psyche und der Körper ein Team bilden.
Und dieses standhafte Hoffen, dass wir die derzeitige Situation gut überstehen,
gesunden und wieder auf die Beine kommen – auch wenn uns diese nur
metaphorisch weggerissen wurden – stärkt unsere Resilienz.
Die Hoffnung gibt uns Kraft weiterzumachen und nicht zu vergessen, dass wir
am Leben sind.
Denn das Leben ist es wert, damit in Beziehung zu bleiben.
Haben Sie Vertrauen in die Welt.
Bleiben Sie hoffnungsvoll.
ACHTEN SIE GUT AUF SICH!

SIND SIE EIN BANDWURM?

Alexandra Neuhofer


„So ist es unseren Bandwürmern gegangen. Deren Vorfahren waren einmal recht bewegliche Würmer. Sie besaßen ein Nervensystem, das die Kontraktionen ihrer vielen Muskelzellen so koordinierte, dass sich der ganze Wurm fortbewegen konnte. Er war in der Lage, die von den Sinneseingängen eintreffenden Signale so zu verbreiten, dass der Wurm zielsicher dorthin kriechen konnte, wo keine Gefahr drohte, wo es etwas zu fressen gab und wo gegebenenfalls sogar ein begattungsbereiter Partner zu finden war. Einigen dieser Würmer ist es später, als noch viel größere und kompliziertere Tiere entstanden, mithilfe ihres primitiven Hirns gelungen, einen besonders angenehmen Lebensraum zu finden: den Darm. Dort gab es Nahrung im Überfluss, und dort drohte, solange der Wirt lebte, keinerlei Gefahr. Sie verloren allmählich ihre Beweglichkeit. Außen an ihrem Kopf entwickelte sich ein Hakenkranz, mit dem sie sich festhalten konnten, und drinnen verschwand all das, was in diesem Wurm-Schlaraffenland nicht mehr gebraucht wurde. Ohne es überhaupt zu bemerken, hatten sie nicht nur ihr ohnehin nicht sehr großes Gehirn verloren, sondern bald auch die Fähigkeit, überhaupt noch eines herauszubilden.“ (Gerald Hüther, Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn, 2007, Seite 33)
Der chinesische Begriff für Krise setzt sich aus zwei Schriftzeichen zusammen, eins steht für „Gefahr’“, das andere für „Chance“. Wenn Sie möchten, dürfen Sie die derzeitige Lage selbstbewusst auch als Herausforderung betrachten und Ihre Energien auf mögliche Veränderungen in und um sich nützen.
Vielleicht stellen Sie ja fest, dass Ihr Lebensentwurf nicht mehr Ihren Vorstellungen, Werten oder der Gesamtsituation entspricht?
Dann wäre es an der Zeit, Ihr Urvertrauen zum Zug kommen zu lassen, Ihren Optimismus abzustauben, Ihre Ressourcen neu zu bewerten und Ihre Entscheidungsfähigkeit zu überprüfen.
Wieso Sie das tun sollen? – Weil Ihnen das Stabilität gibt! Und mit dieser Grundhaltung können Sie Altes renovieren, Neues Erschaffen oder – oft auch sehr hilfreich – reinen Tisch machen!
Kleine Schritte haben manchmal große Wirkung.
Es ist Ihre eigene Entscheidung, ob Sie zum Bandwurm mutieren. Und Möglichkeiten, über den Horizont eines Wurms hinauszusehen, stehen Ihnen – immer noch und wieder – offen.
ACHTEN SIE GUT AUF SICH!

Schau auf dich – schau auf mich

Mag. Manuela Reimann

Wie oft haben wir das in den letzten Wochen wohl gehört? Oft? Zu oft? Ja das aufeinander schauen in seinem besten Sinn, das hat was. Das tut uns gut.

Allzu oft ist es aber ein kritischer Blick, ein abfälliger Blick, ein genervter oder ärgerlicher Blick, speziell wenn wir auf uns schauen. Als wäre dieser Blick noch nicht genug, wird dieser Blick auch von den entsprechenden Gedanken und Gefühlen begleitet. Wie oft genügen wir uns nicht? Und nun kommt noch der Abstand dazu, den wir zu anderen halten sollen. Soziale Distanz, die uns voreinander schützen soll. Wirklich? Nein! Soziales einander näher sein, brauchen wir jetzt und in nächster Zeit um gemeinsam diese Herausforderungen zu bewältigen. Physische, körperliche Distanz, ja die werden wir wohl noch eine Zeitlang im Umgang miteinander brauchen.
Was wir brauchen sind:

Anteilnahme
Mitgefühl
Sensibilität
Einfühlungsvermögen
Feingefühl
Verständnis

Es gehört zu den tiefsten Bedürfnissen der Menschen, verstanden zu werden. Wenn man niemanden hat, der einen versteht – und das ist möglicherweise eines der größten Probleme unserer Zeit – entsteht sehr schnell ein Gefühl von Minderwertigkeit und Isolation. Wir brauchen das Gefühl der Verbundenheit, der Zugehörigkeit ansonsten sind wir gestresst, anfälliger für Ängste, Einsamkeit und Unverständnis anderen gegenüber. Kurz gesagt, wir brauchen Empathie uns gegenüber und anderen gegenüber. Selbstempathie weil wir anderen nur Empathie entgegenbringen können, wenn wir sie uns selbst entgegenbringen können. Was ich bei mir selbst nicht wahrnehme, kann ich auch bei anderen nicht wahrnehmen. Was ich an mir selbst nicht schätze, kann ich auch bei anderen nicht schätzen. Was ich nicht verstehe, kann ich auch nicht wertfrei betrachten. Wofür ich keine Sprache habe, kann ich nicht beschreiben und ausdrücken.
Selbstempathie hat nichts mit Selbstmitleid zu tun. Selbstmitleid schwächt, Selbstempathie stärkt.
Um für sich selbst Empathie aufzubringen, ist es notwendig, erst einmal eine Bestandsaufnahme der eigenen Situation zu machen, ohne sie zu bewerten. Dann ein Hinhören auf unsere Gefühle, denn sie geben uns Auskunft über unsere Bedürfnisse. Wir alle haben Bedürfnisse, die erfüllt werden wollen. Unsere Gefühle sind ein Hinweis, ob und welche Bedürfnisse erfüllt sind. Die Grundbedürfnisse wie Zugehörigkeit, Aufmerksamkeit, Anerkennung, Liebe usw. teilen wir mit allen Menschen. Was uns unterscheidet, ist die Art, wie wir unsere Bedürfnisse erfüllt haben möchten. Die Fragen an mich im Sinne der Selbstempathie lauten daher:

Wie ist meine Situation? Wie lautet eine wertfreie Beobachtung meiner Situation? Wie denke ich über mich und meine Situation? Wie fühle ich mich dabei? Was spüre ich in meinem Körper? Welche Gefühle stecken hinter meinen Gedanken? Was brauche ich jetzt? Welche Möglichkeiten habe ich um meine Bedürfnisse zu erfüllen? Welche Alternativen fallen mir ein? Was wünsche ich mir? Bringen wir uns doch echtes Interesse entgegen, dann gelingt es uns auch Interesse für andere aufzubauen. Für ein beziehungsfähiges Miteinander bedarf es empathischer Kompetenzen, damit wir ein konstruktives, kooperatives Zusammenleben bestmöglich gestalten können.


Mag. Manuela Reimann

Wo ist das Licht in diesen herausfordernden Zeiten?

Gabriele Buchner

Vielleicht haben Sie im Moment eine große Verantwortung in deinem Job, sollen in kürzester Zeit die richtigen Entscheidungen treffen, oder sind durch das Arbeitspensum einfach überlastet? Auf der anderen Seite bringen Sie die Bedürfnisse, die Ihre Familie an Sie stellt, an den Rand der Leistungsgrenze. Sie selbst haben eventuell Ängste, den Job zu verlieren oder falsch zu entscheiden, haben Furcht vor Krankheit, Tod und Trauer, wissen nicht, was in der Zukunft die Sicherheit bringt, die Sie brauchen, um wieder ruhig zu werden und aus diesem Dunkel herauszufinden?

Wenn man sich im Dunkeln befindet, dann lässt sich das schwer aushalten und noch weniger gut arbeiten.

Dies kann ich sehr gut nachempfinden, denn wie wir alle habe auch ich eine Familie, die sich auf mich verlässt, muss ich Geld verdienen, damit meine Rechnungen bezahlt werden können und die Sorge vor der Zukunft, sei es fehlende Sicherheit oder die Angst vor einer Krankheit sind sehr schnell in den direkten Fokus gerückt.

In der letzten Woche hat sich eine Frau bei mir gemeldet, die um Hilfe bei ihren Abschiedsthemen gebeten hatte. Wir führten eine Stunde lang ein sehr intensives Gespräch und sie bedankte sich mit den Worten „Sie haben mir das Licht in meine Dunkelheit gebracht“.

Dieser Satz hat mich zutiefst bewegt. Dieser Satz hat in den letzten Tagen sehr viel in mir ausgelöst und das Wichtigste ist, dass diese Klientin mit ihrem Feedback auch mein Licht wieder angefacht hat, und dafür bin ich sehr dankbar.

Es hat mir gezeigt, dass wir alles in uns haben, was wir brauchen, wir müssen nur hinsehen und fühlen, und ab und zu kommt ein wildfremder Mensch in dein Leben, der in dir ein Licht entzündet!

Fotocredit: Antonia Buchner

Zeit für Veränderung?

Angela Meierschitz

Bildergebnis für bilder veränderungen im lebenHast Du schon bemerkt wie schwer es ist, gute Vorsätze ins Leben umzusetzen. Wenn nur unser Verstand etwas für „gut“ befindet reicht es leider meistens nicht aus. Oft fehlen unsere Gefühle und Herzenswünsche dabei, mit denen wir unsere Vorhaben erfüllen können.

Wie bemerkt man, dass es Zeit für Veränderungen ist:

  • Wir fühlen uns erschöpft und lustlos.
  • Wir sind unzufrieden, hektisch, alles ist zu viel oder wir finden das Leben langweilig.
  • Wir leiden unter hartnäckigen Verspannungen, die unsere Beweglichkeit und Lebensfreude einschränken.
  • Wir ziehen uns zurück.
  • Wir stecken in einer Krise fest.
  • Wir haben unsere Neugierde und die Lust Neues zu entdecken verloren.

Wirkliche Veränderungen geschehen nicht von einem Tag auf den anderen. Unsere Gewohnheiten spielen uns da einen Streich und wir finden uns schon meist nach kurzer Zeit wieder in der Routine wieder. Entweder sagen wir uns selbst Sätze, wie:

„Das ist zu schwierig, ich lass es lieber!“
„Das funktioniert sowieso nicht!“
„Wer weiß was da passiert!“

Oder ein neuer Vorsatz, eine neue Idee lenken uns ab und wir vergessen was wir wollten. So funktioniert unser Verstand, lieber beim Alten, Bekannten bleiben.

Der Körper weiß wie es geht! Mit Körperarbeit findest Du heraus, was Dich daran hindert und worum es Dir bei den Veränderungen wirklich geht.

Unser Körper ist die Verbindung zu unseren Fähigkeiten und Qualitäten, die wir für Veränderungen brauchen. Mit Körperarbeit entdeckst Du sie. Neue Wege und Möglichkeiten ergeben sich auf natürliche und einfache Weise!

Bildergebnis für bilder veränderungen im leben