Gedankenfutter, oder: Was, wenn’s nicht schmeckt?

Mirella Kreder

Mirella Kreder


“Unsere Emotionen beginnen mit unserer Interpretation der Ereignisse.” Dr. Frank
Ghinassi
Über professionelle Therapie lassen sich belastende Verhaltens- und Denkmuster
verändern. Es muss aber nicht immer gleich eine Therapie vonnöten sein, denn wir
können Erkenntnisse aus der kognitiven Forschung auch selbst im Alltag anwenden.
Was sich in der Theorie einfach anhört ist auch in der Praxis gar nicht so schwer.
Getreu dem Motto “Du bist was du isst.” gilt auch der Satz “Du bist was du denkst.”
Mit welchen Gedanken wir unser Hirn füttern und wie wir dieses Gedankenfutter
verdauen liegt – wie die Speisen die wir regelmäßig zu uns nehmen – zu großen
Teilen in unserer Hand.
Bevor wir etwas in den Mund stecken schauen wir es uns in der Regel genauer an,
riechen daran, überlegen – sofern wir es nicht direkt einordnen können – was es
damit auf sich hat. Kann es uns denn überhaupt schmecken? Wollen wir es wirklich
kosten? Ist es möglicherweise giftig? Wir analysieren die Konsistenz, die Farbe, wie
verhält es sich in Kontrast zur restlichen Nahrung die wir bereits zu uns genommen
haben. Schaffen wir dadurch im Körper Balance und Ausgewogenheit, dosieren wir
über oder fördern wir womöglich eine vorhandene Unverträglichkeit?
Selbst kleine Kinder tun das intuitiv. Es liegt in unserer Natur. Sie nehmen oft
ungeeignete oder ungenießbare Dinge in den Mund – und spucken sie wieder aus.
Als Erwachsener glauben wir uns oft an soziale Standards gebunden und schlucken
daher auch so einiges hinunter was uns nicht schmeckt oder von dem wir wissen,
dass es uns eigentlich nicht gut bekommt. So auch Gedanken.
Gedankenfutter: Stellen Sie sich folgendes vor.
Ein Stück “Gedanke” kommt. Sie kennen ihn schon. Es schmeckte bisher gut. Wir
können relativ schnell entscheiden: ja, rein damit. Er schenkt uns (positive) Energie.
Ein weiteres Stückchen Gedanke folgt. Wir kennen ihn, denn wir haben uns daran
mehrfach den Magen verdorben und filtern ihn deshalb in weiser Voraussicht aus.
Leider können wir Gedankenfutter aber nicht immer zu uns nehmen wie am Buffet:
in freier Entscheidung und weiser Voraussicht Stücke (nicht) auf den Teller laden.
Externe Ereignisse gleichen eher einem Mehr-Gänge-Menu oder einem Running
Sushi Laufband. Sie kommen durch von uns weniger kontrollierbare Umstände und

können Gedanken in uns auslösen, die wir nicht immer sofort einordnen können
oder die uns nicht schmecken und bitter aufstoßen.
Doch auch hier haben wir stets die Wahl: nehmen wir das Gericht, das uns serviert
wird an (mit aller Konsequenz) oder lehnen wir es (nach eingehender Analyse) ab.
Oder würde es uns möglicherweise sogar schmecken und wäre es besser
verdaulich, wenn wir z.B. unsere Wahrnehmung des Servierten verändern, es etwas
nachzuwürzen, oder zuvor den Magen durch andere Inhalte stabilisieren?
Denken Sie mal drüber nach. Oder nicht. Das liegt nun ganz in Ihrer Hand.

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