OMAMIKEKSERL


Heute morgen ist mir die Omami eingefallen.
Ich muss lächeln, wenn ich an sie denke. Omami ist fixer Bestandteil meiner
allerersten Erinnerungen an Weihnachten. Sie war eigentlich nicht einmal mit
uns verwandt, sie wurde von meiner Großmutter mütterlicherseits in unseren
Familienkreis integriert, da sie selber niemanden mehr hatte.

Alexandra Neuhofer


Omami wohnte in einer Einzimerwohnung direkt an der Salzach ohne Heizung, sie hatte keinen elektrischen Herd, sondern kochte am Holzofen. Ich war damals kaum mehr als drei Jahre alt, und ich habe sie in Erinnerung als eine sehr alte, ganz kleine zierliche Frau mit roten Backerln, das graue Haar hatte
sie immer sorgfältig mit Schubspangerln hochgesteckt, und sie trug immer die gleich längliche Brosche an der Strickjacke. Nie vergessen werde ich ihre
Augen, die immer unendlich viel Wärme und Liebe ausstrahlten.
Wir holten Omami jedes Jahr nach der nachmittäglichen Bescherung bei
meiner Oma ab und nahmen sie mit zu uns nach Hause, damit sie das
Weihnachtsfest nicht alleine verbringen musste.
Ich sehe sie jetzt genau vor mir, neben dem Christbaum stehend, die Hände
gefaltet, den Blick auf den Christbaum, der mit all den vielen Kerzen und
Lametta erstrahlte, und sie weint.
Kein Weinen aus Selbstmitleid oder Neid, da sie ja selber keine Familie mehr
hatte, sie wischte sich auch die Tränen nicht ab, ich denke, sie hat diese nicht
einmal bemerkt. Sie strahlte und weinte, und sie sah mich an voller Liebe,
streichelte mir sanft über die Wange, und ich roch die Kernseife an ihren
Händen.
Omami hatte nur eine ganz kleine Mindestpension, sie schaffte es aber jedes
Jahr, genug zu sparen, um für uns Kekse zu backen – die Omami-Kekserl! Die
allerbesten Kekse, die man überhaupt backen kann!
Ich habe das Rezept bekommen, als ich vor vielen Jahren von zu Hause
ausgezogen bin und hüte es wie einen Schatz. Und immer am Anfang der
Adventzeit, wenn ich zu backen beginne, erfüllt sich allein schon beim Anblick
des mittlerweile etwas vergilbten und vom Teig verklebten Zettels mit dem
Keksrezept mein Herz mit ganz viel Liebe, Wärme und Dankbarkeit.
Weniger beim Gedanken an die Kekse, denn ich bin keine besonders Süße,
sondern vielmehr aus Dankbarkeit an eine Frau, die eigentlich nichts zu
verschenken hatte, und mir trotzdem seit Jahrzehnten jede Adventzeit mit
dieser Erinnerung versüßt.

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