Schau auf dich – schau auf mich

Mag. Manuela Reimann

Wie oft haben wir das in den letzten Wochen wohl gehört? Oft? Zu oft? Ja das aufeinander schauen in seinem besten Sinn, das hat was. Das tut uns gut.

Allzu oft ist es aber ein kritischer Blick, ein abfälliger Blick, ein genervter oder ärgerlicher Blick, speziell wenn wir auf uns schauen. Als wäre dieser Blick noch nicht genug, wird dieser Blick auch von den entsprechenden Gedanken und Gefühlen begleitet. Wie oft genügen wir uns nicht? Und nun kommt noch der Abstand dazu, den wir zu anderen halten sollen. Soziale Distanz, die uns voreinander schützen soll. Wirklich? Nein! Soziales einander näher sein, brauchen wir jetzt und in nächster Zeit um gemeinsam diese Herausforderungen zu bewältigen. Physische, körperliche Distanz, ja die werden wir wohl noch eine Zeitlang im Umgang miteinander brauchen.
Was wir brauchen sind:

Anteilnahme
Mitgefühl
Sensibilität
Einfühlungsvermögen
Feingefühl
Verständnis

Es gehört zu den tiefsten Bedürfnissen der Menschen, verstanden zu werden. Wenn man niemanden hat, der einen versteht – und das ist möglicherweise eines der größten Probleme unserer Zeit – entsteht sehr schnell ein Gefühl von Minderwertigkeit und Isolation. Wir brauchen das Gefühl der Verbundenheit, der Zugehörigkeit ansonsten sind wir gestresst, anfälliger für Ängste, Einsamkeit und Unverständnis anderen gegenüber. Kurz gesagt, wir brauchen Empathie uns gegenüber und anderen gegenüber. Selbstempathie weil wir anderen nur Empathie entgegenbringen können, wenn wir sie uns selbst entgegenbringen können. Was ich bei mir selbst nicht wahrnehme, kann ich auch bei anderen nicht wahrnehmen. Was ich an mir selbst nicht schätze, kann ich auch bei anderen nicht schätzen. Was ich nicht verstehe, kann ich auch nicht wertfrei betrachten. Wofür ich keine Sprache habe, kann ich nicht beschreiben und ausdrücken.
Selbstempathie hat nichts mit Selbstmitleid zu tun. Selbstmitleid schwächt, Selbstempathie stärkt.
Um für sich selbst Empathie aufzubringen, ist es notwendig, erst einmal eine Bestandsaufnahme der eigenen Situation zu machen, ohne sie zu bewerten. Dann ein Hinhören auf unsere Gefühle, denn sie geben uns Auskunft über unsere Bedürfnisse. Wir alle haben Bedürfnisse, die erfüllt werden wollen. Unsere Gefühle sind ein Hinweis, ob und welche Bedürfnisse erfüllt sind. Die Grundbedürfnisse wie Zugehörigkeit, Aufmerksamkeit, Anerkennung, Liebe usw. teilen wir mit allen Menschen. Was uns unterscheidet, ist die Art, wie wir unsere Bedürfnisse erfüllt haben möchten. Die Fragen an mich im Sinne der Selbstempathie lauten daher:

Wie ist meine Situation? Wie lautet eine wertfreie Beobachtung meiner Situation? Wie denke ich über mich und meine Situation? Wie fühle ich mich dabei? Was spüre ich in meinem Körper? Welche Gefühle stecken hinter meinen Gedanken? Was brauche ich jetzt? Welche Möglichkeiten habe ich um meine Bedürfnisse zu erfüllen? Welche Alternativen fallen mir ein? Was wünsche ich mir? Bringen wir uns doch echtes Interesse entgegen, dann gelingt es uns auch Interesse für andere aufzubauen. Für ein beziehungsfähiges Miteinander bedarf es empathischer Kompetenzen, damit wir ein konstruktives, kooperatives Zusammenleben bestmöglich gestalten können.


Mag. Manuela Reimann

Nicht das Was, sondern das WIE

Mirella Kreder

Oft ist es nicht das WAS sondern das WIE.
Das ist eine Weisheit, die sich für mich in der Vergangenheit immer wieder bewahrheitet hat. Nicht unbedingt die Tatsache, DASS sich etwas verändert ist ausschlaggebend, sondern WIE es sich verändert. Ob man selbst die Veränderung herbeiruft, oder ob man verändert wird.


Positive Veränderungen machen uns froh. Negative Veränderungen, insbesondere von außen, lösen zunächst weniger gute Gefühle aus.
Und was, wenn die Veränderung zu schnell kommt? Wenn im Prozess ganz schön vieles schiefgeht? Zu Bruch geht? Wenn wir uns plötzlich umgewöhnen oder neu erfinden sollen? Wenn es keine klaren Trennelemente mehr gibt – oder zu viele?
Plötzlich ist man Zuhause “eingesperrt”. Gerade für uns, die wir es gewohnt sind unsere Freiheit auszuleben, kann das auf Dauer ein beklemmendes Gefühl sein. Nicht in vollem Umfang so zu können wie wir wollen. Und selbst wenn wir es verstehen, anfühlen tut es sich wie “gegen den Strich streicheln”. Hinzu kommen mögliche Zukunftsängste und Unsicherheiten, vermehrte Konflikte im Haushalt (das gegen den Strich gestreichelte Fell wird dünn), ungewohnte Arbeitsweisen, sinkende Schmerzgrenzen, mangelnder Ausgleich. Und all das ohne Vorwarnung. Autsch.
Die gute Nachricht:
Wir können auch solche Veränderungen als Chance erkennen wenn uns die dafür nötige Zeit gegeben wird (oder wir sie uns nehmen). Wenn das WIE stimmt (oder wir dafür sorgen, dass es stimmt). Kommunikation ist hierbei ein wesentliches Element. In alle Richtungen. Auch nach innen.
Zeit heilt Wunden. Sagt man nicht so? Zeit ist ein Geschenk. Ich zum Beispiel habe diese Phase genutzt um mir selbst bewusster Zeit zu schenken. In allem eine Chance zu sehen und “Auswege” zu finden. Alternativen zu denken. Ich habe die gegebene Veränderung von außen umgewandelt, transformiert, in einen Veränderungsprozess von innen. Verändern können wir nämlich auch Gedanken und unsere Einstellung.

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