Intuition als Plan / Corona als Lehre

Mag. Ulrich Wanderer

Vor zehn Wochen wusste ich noch genau, wie das heurige Jahr in etwa laufen würde. Seminare, Urlaub, Beratungen, Marathons, Sommer, etc und am Ende eine große Reise. Ja, es war klar, dass es so laufen sollte.

Mag. Ulrich Wanderer
Mag. Ulrich Wanderer


ich war auf ein tolles Jahr eingestellt und dann kam es ein wenig anders. LockDown und Pressekonferenzen, Ausgangsregelungen und… erzwungene Kreativität. Plötzlich war nicht mehr der planbare Alltag gefragt, sondern die Umstellung auf die Bedürfnisse einer vorübergehenden Phase. Wir alle spüren dieses Gefühl der Unsicherheit, doch bedeutet Unsicherheit auch das erzwungene Loslassen von scheinbaren Sicherheiten. Wer sich nie von seiner Ankerkette löst wird keine neuen Meere erkunden.

Wie der Geselle, der früher auf Wanderschaft ging um seinen Beruf in der Fremde zu erlernen, so haben wir jetzt die Möglichkeit, unser Lebenskonstrukt zu überdenken. Haben wir auf Sand oder Fels gebaut? Was ist unser Fundament? Sind es jene Kurse, die einem Seismografen gleich rauf und viel mehr runter sausen können? Ist es der Job, der zwar viel Prestige und Geld bringt, doch beim ersten Anzeichen einer Krise zu wackeln beginnt, oder sind es Gegenstände? Das Auto oder anderes?

Ist aber unser Fundament die Überzeugung, am richtigen Platz zu sein, fest in sich zu stehen und sich darauf zu verlassen, dass man im Moment die passende Entscheidung trifft und den richtigen Schritt in die richtige Richtung macht. Passt das Schuhwerk, so gehen wir auf jedem Weg mit sicherem Schritt. Lassen wir uns von unseren Möglichkeiten leiten, lassen wir unser Bauchgefühl die Führung übernehmen. Nicht langfristige Planung, sondern viel eher nur intuitive kleine Schritte führen uns derzeit an die nächste Wasserquelle, an die nächste Labestelle des Alltags.

Daher können wir, bei all den Unerfreulichkeiten, die die aktuelle Lage mit sich bringt, auch positive Aspekte erkennen. Wir können viel über uns und vor allem für uns lernen. Wie wir in unbekannten Situationen reagieren, wie wir agieren und ..was wir verbessern können. Und wir können wachsen. Corona geht vorbei, wir werden bleiben. Und auch die Erfahrungen, die wir mit unseren Mitmenschen und vor allem mit uns selber machen werden bleiben.

So gesehen, ist die momentane Ausnahmesituation auch eine Chance für uns und unsere Gesellschaft. Wir könnten lernen uns nicht nur auf unsere Pläne zu verlassen, sondern viel mehr noch auf uns selber. Denn der beste Plan ist immer noch unsere Intuition.

Wartezeit?

Mag. Emmi Ott

„Hör auf zu warten

Auf den Sommer, auf die Liebe deines Lebens, aufs Ende der Coronakrise, …

Glücklich wirst du erst sein, wenn du aufhörst zu warten und

das Beste aus dem Moment machst,

in dem du dich JETZT GERADE befindest.“

Derzeit ertappe ich mich dabei, dass ich mich oft im Wartemodus wiederfinde. Im Gespräch mit anderen Leuten stelle ich fest, ich bin damit nicht allein. Wartemodus bedeutet für mich, ich lebe auf etwas hin und gebe der Gegenwart nicht die Bedeutung, die ihr zukommt.

Jeder stellt sich Fragen wie

  • Wann geht das „normale“ Leben wieder los?
  • Wann kann ich wieder Kinder, Familie, Freunde treffen?
  • Wann beginnt Schule und Kindergarten wieder?
  • Wann kann ich wieder arbeiten?
  • Wann darf ich wieder verreisen?
  • Wie hält die Wirtschaft das aus?

Es gibt tausende solche Fragen, die ganz kleinen persönlichen und die übergeordneten großen Fragestellungen. Sie alle sind derzeit nicht wirklich beantwortbar und lassen unsere Gedanken in die Zukunft abschweifen, oft mit sorgenvollem Beigeschmack. Natürlich tun Perspektiven gut und sind hilfreich. Aber die Beschäftigung mit der Zukunft nimmt oft die Energie für die Gegenwart, wo wir sie so dringend benötigen.

Wir warten und versäumen dabei das Leben, das gerade stattfindet.

Und – auf welche Normalität warte ich eigentlich? Gibt es sie oder entspringt sie der Sehnsucht nach Stabilität und Routine? In einem Gespräch fiel der Satz: „Ich lebe die Realität im Jetzt, ob sie normal ist, ist für mich nicht relevant.“

Zu simpel gedacht oder äußerst weise?

Was das Leben gibt

Mag. Ulrich Wanderer

Copyright by Robert NEWALD

Das Leben schenkt und Baumaterial und Vitamine, wir glauben, es legt und Steine und Äste in den Weg und schenkt uns bittere Zitronen.

Leben, Natur, Gott, Sinn.. ich glaube sehr wohl, dass diese Begriffe mehr sind, als schlichte Worte. Ich glaube aber auch daran, dass es an uns liegt darauf zu schauen, dass wir die empfangenen Gaben, seien es nun Vitamine oder Steine, bestmöglich nutzen. Es geht nicht um GUT oder BÖSE. Sondern um´s Anpacken und Tun!

Qualitytime?

Mag. Emmi Ott

„Lebe im Augenblick“ – das ist ein Satz, der sehr oft auf Spruchkarten, Kalendern und in Ratgebern zu lesen ist. Fast kann einem diese Anregung schon auf die Nerven gehen.

Aber andererseits – ist es überhaupt möglich, dieser Aufforderung in Krisenzeiten nachzukommen?

Viele sorgenvolle Gedanken schwirren in den Köpfen herum.

  • Wie werden es meine Angehörigen, vor allem die älteren, gesundheitlich überstehen?
  • Wie komme ich/wir finanziell über die Runden?
  • Welche Pläne, Vorhaben sind jetzt plötzlich in weite Ferne gerückt bzw unmöglich geworden?
  • Wie wird es nach der Krise weitergehen?
  • ….

Trotzdem oder gerade deswegen ist es hilfreich und tut gut, seine Aufmerksamkeit auf den Augenblick zu fokussieren, der gerade JETZT stattfindet. Ich kann ihm Qualität verleihen, ihn für mich und andere positiv erlebbar machen, sodass er das Potential bekommt, eine schöne Erinnerung zu werden und als „quality time“ empfunden werden kann.

Wie kann das gelingen?

Hier eine kleine Übung der Achtsamkeit

Richte deine Aufmerksamkeit auf deinen Atem und beobachte ihn. So kannst du dich sehr schnell ins Jetzt holen und zu dir kommen. Dann lenke deine Aufmerksamkeit auf den Augenblick und setze eine Aktion, die die momentane Situation ein bisschen aufpeppt: Lächeln, ein nettes Wort, eine freundliche Geste, etwas ungesagt lassen, …..

Es sind Kleinigkeiten, die große Wirkung zeigen können und unser Erleben und unsere Umgebung ein wenig fröhlicher und bunter werden lassen.

Viel Spass beim Ausprobieren!

Mag. Emmi Ott