Mein Freund Georg

Mag.Ulrich Wanderer

Mag. Ulrich Wanderer

Danke Georg

Gelegentlich treffe ich auf der Straße einen guten Freund, Georg mit Namen – wobei er auch Peter, Michael oder auch Sandra (dann wohl eher Freundin) heißen könnte. Wir kennen und schätzen uns seit Jahren, eigentlich Jahrzehnten und plaudern sehr gerne, wobei sich die Gespräche in letzter Zeit auch um das unvermeidliche Coronathema drehen. Nein, wir haben nicht denselben Standpunkt und kommen daher auch nicht auf denselben Nenner. Ja, dir reden im Freien und wohl nicht nur meinetwegen mit einem gewissen Abstand. Wir teilen jedoch mehr als uns trennt:

Die grundsätzliche christliche Weltanschauung
Den Wunsch nach einer vernünftigen Kommunikation
Den Leidensdruck, der sich aus der aktuellen Spaltung ergibt
und vor allem
Die wechselseitige Wertschätzung

Daher sind unsere Gespräche auch von größtmöglichem Verständnis für den Standpunkt des anderen geprägt und selbst in jenen Punkten, in denen das Verständnis bei aller Anstrengung nicht unmittelbar hinter dem nächsten Busch hervorspringt, bleibt die persönliche Wertschätzung als unverrückbarer Grundsatz.

Meist verabschieden wir uns mit dem Wunsch „Bleib gesund“, der von uns beiden aus tiefstem Herzen kommt, da nicht die Wut, sondern wohl eher die Sorge um das Wohlergehen des anderen an erster Stelle steht.

Take care!

IRL*


Vielen tausend Jahre haben wir uns bemüht, eine Sprache zu erarbeiten, was
durchaus zur Verständigung beiträgt.
Sprache verbindet, Verbindung ermöglicht Kontakt und Nähe. Dadurch
entsteht Beziehung.

Alexandra Neuhofer


Jetzt haben wir gerade eine empfohlenermaßen kontaktarme Zeit.
Wieso wird unsere Sprache deshalb immer kontaktärmer, lebloser,unpersönlicher und für einen Teil der Bevölkerung nicht mehr verständlich?
Viele vermeinen, eine Maske oder ein Abstand in der Größe eines Dickhäuters schränken die sozialen Kontakte ein.
Mich schränkt weit mehr ein, ein LOL, ROFL, RTFM oder HDL zuerst übersetzen und dann in meinem Hirn und meiner Empfindung einordnen zu
müssen.
Wir haben doch so viele schöne Wörter, die HDL – hab Dich lieb – ausdrücken
können! Nämlich auch welche, die nicht für den Großteil der Bevölkerung
gelten sondern genau für die eine Person, die wir meinen!
Haben wir wirklich verlernt, Gefühle auszudrücken?
Oder haben wir diese gegen die für mein Dafürhalten sowieso ungesunde
schnelle Lebensweise eingetauscht – aber um welchen Preis?
Bitte nehmen Sie sich die Zeit, wenigstens gelegentlich der Höflichkeit halber
in ganzen Worten auszudrücken, was Sie möchten oder empfinden.
Ich denke es ist es auch eine Frage der Wertschätzung, für jemanden einen
ganzen Satz und nicht nur drei bis vier Buchstaben zu erübrigen.
ACHTEN SIE GUT AUF SICH!

  • IRL steht für „in real life“, was „im echten Leben“ bedeutet, sich also auf
    die Welt außerhalb des Internets bezieht.

was jeder tun kann

„Wo die Not der Welt deine Begabungen kreuzt, dort liegt deine Berufung“

Dieser Satz von Aristoteles bekommt in diesen Tagen vielleicht noch mehr Bedeutung als sonst.

Berufung wird oft sehr bedeutungsvoll verstanden im Sinne von Gsamtausrichtung des Lebensweges oder der Berufswahl. Es kann aber auch so ausgelegt werden, dass eine der vielen Kompetenzen, die jede(r) von uns hat, in manchen Momenten einfach gefragt ist. Hier ist der Schnittpunkt, wo der Sinn des Augenblicks verwirklicht wird. Hier kreuzt sich Not und Berufung.

Wir alle haben Fähigkeiten, die wir in der jetzigen Situation einbringen können, um die Welt um uns ein bisschen lebenswerter und bunter zu machen.

Ein paar Beispiele

  • Soziale Kontakte über Telekommunikation pflegen, die beleben und die Vereinsamung hintanhalten
  • Wertschätzende Worte den vielen Einsatzkräften gegenüber, aber auch inner halb der eigenen Familie
  • Dem Nachbarn eine kleine Freude bereiten, zB etwas Selbstgekochtes oder einen selbstgebackenen Kuchen vor die Türe stellen
  • die kleinen Onlinegeschäfte unterstützen anstatt bei amazon zu bestellen. Sogar Einkaufen kann helfen
  • und tausend andere kleine Handlungen

Es geht nicht um „große, bedeutsame“ Aktivitäten, an die wir uns letztlich nicht heranwagen. Nein, es kommt auf die kleinen Aufmerksamkeiten und Handungen an und da kann jede(r) etwas beitragen.

So werden wir alle derzeit herausgefordert, in dieser völlig neuen Situation unser Bestes in uns wachzurufen und unser Kreativität Raum zu geben. Dann kann auch in diesen Tagen Freude und Dankbarkeit ihren Raum finden und erlebbar werden.

Mag. Emmi Ott