Wenn es draußen still wird, dann werden die inneren Stimmen lauter

Michaela Harrer

 – vielleicht entsteht durch diesen Satz bei Ihnen das innere Bild (und das mitten in diesen strahlenden, warmen Frühlingstagen!) einer tief verschneiten Winterlandschaft in der eine heimelige, einsame und kleine Hütte steht. Ein Ort der Verheißung für einen müden, erschöpften und frierenden Wanderer! Hier kann ich mich ausruhen, mich wärmen, zur Ruhe kommen und mich sammeln – Einsamkeit als Wohltat!

Michaela Harrer
  • vielleicht fühlen Sie aber auch etwas ganz anderes und es könnten nicht so angenehme Bilder in Ihrer Vorstellung entstehen: Ich fühle mich allein und abgeschnitten von der gewohnten Geräuschkulisse. Eingesperrt oder ausgesperrt von Teilen meines Lebens, Ablenkungen und Fremdbestimmungen, die auch Orientierung geben, sind plötzlich nicht mehr da…

Wenn es so still wird, dann kann ich plötzlich meinen eigenen Atem lauter hören – meine inneren Dialoge der Gedanken bewusster führen. Ich kann durch das offene Fenster noch bewusster die wärmenden Sonnenstrahlen, den zarten Duft der blühenden Bäume und Sträucher, das unterschiedliche  Summen von Bienen und Fliegen erkennen und spüren.

Eine extrem ambivalente Situation !

Wir sind im Moment in einer einzigartigen Situation: jeder Mensch dieser Erde ist zur annähernd gleichen Zeit mit der gleichen gesundheitlichen Herausforderung konfrontiert. Das ist eine starke Gemeinsamkeit die jede Einzelne und jeden Einzelnen zur wechselseitigen Solidarität zwingt… ich verhalte mich solidarisch in dem ich mich in soziale Abstinenz begebe.

Also: Einsamkeit in Gemeinsamkeit – klingt wie ein Paradoxon ist aber heute Realität!

Einsamkeit ist ein Zustand, der unserem Bedürfnis nach dem Du, nach der sozialen Interaktion, nach unserer Sehnsucht nach Austausch entgegensteht. Darum versuchen wir oft mit verschiedenen Strategien der Vermeidung, Ablenkung und persönlichen Überforderung im bisherigen normalen Alltag diese Einsamkeit zu unterdrücken. Das ist nur allzu verständlich und bis zu einem gewissen Grad auch durchaus okay.

Was könnte uns in diesen Coronazeiten, in der Zeit der Nähe Vermeidung, der Isolation und der Reduktion unserer zwischenmenschlichen Kontakte helfen?

Was tun wenn Sie sich besonders einsam fühlen?

Ich möchte Ihnen hier ein paar Anregungen und hilfreiche Impulse geben.

  1. Akzeptieren wie es ist!

Es hilft oft sehr, mit sich selber ehrlich zu sein. Was betrifft alle und was betrifft nur mich? Was liegt nicht in meinem Wirkbereich aber was kann ich sehr wohl selbst gestalten?  – Information ist wichtig aber nicht ununterbrochen!

Welche Vorteile bringt mir die Situation auch neben den ungewünschten Dingen? Wofür bin ich dankbar gerade ich dieser Situation? (meine Wohnung, mein warmes weiches Bett, selbstgekochtes frisches Essen, …) Was kann ich gerade jetzt besonders tun? (z.B. Fotos sortieren, Tagebuch schreiben, Puzzeln, Reparieren, wieder einmal Musizieren und Singen…)

  • Netzwerken! Wie schaut denn mein soziales Netz aus? –

 So könnten Sie eine persönliche Beziehungskollage basteln:  sie könnten auf einem großen Bogen Papier mit Klebezetteln sich und alle Personen, die Ihnen einfallen anordnen – wer steht mir besonders nahe? Mit wem habe ich schon länger nichts gesprochen? – wer wohnt in meiner Nähe? Wen möchte ich wieder anrufen, Schreiben, Skypen ect…

Freunde von früher, Freunde von heute, Familienmitglieder ect. – diese Kollage könnten Sie an einem zentralen Ort Ihrer Wohnung aufhängen und immer wieder ergänzen

  • Optimismus! Auch wenn ich es noch nicht genau sehe aber aus meiner Lebenserfahrung weiß ich: es geht immer weiter! Das Vertrauen ins Leben, in Gott, ins Leben pflegen! Mit Humor geht alles leichter! Lachen Sie sich im Spiegel öfter zu, auch wenn es ihnen gerade nicht zum Lachen zumute ist!
  • Selbstwirksamkeit! Ich leiste meinen Teil zur positiven Veränderung der Situation…. In dem ich die psychische Kraft zur Weiterführung meiner Selbstisolation aufbringe und die Verantwortung über mein Leben und mein Handeln übernehme. Es kommt auch auf mich an, wie ich mich verhalte….Ich bin an meinem Platz wichtig für das Ganze und  ICH KANN FÜR MICH GUT SORGEN UND ES MIR ANGENEHM GESTALTEN!

Hier helfen unterstützend Atemübungen, sanfte Gymnastik, Achtsamkeitsübungen und auch Meditation, zum Beispiel.

  • Hilfen und Angebote nützen! Es gibt ein vielfältiges und großes Angebot an Beratung und Gespräch für Sie, wenn es einmal besonders schwer wird. Zögern Sie nicht und nützen Sie das vertrauliche, professionelle und kostenlose Angebot. Sie erreichen uns derzeit per Telefon oder Mail jederzeit!

Geförderte Familienberatungsstellen stehen zur Verfügung wie z. Beispiel:

  • Familienberatungsstelle der St. Elisabeth Stiftung, Arbeitergasse 28, 1050 Wien 01/5455222 Klappe 15 (Familienberatung)01/5455222 Klappe 13 (Rechtsberatung)beratung@edw.or.at
  • Familienberatungsstelle PELE, Gallmeyergasse 16/1,  1190 Wien

info@pele.or.at  Michaela Harrer 0676/5033722

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